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Irischer Blätterkohl Sibirischer Wildkohl
1114 mal angesehen
14.11.2009, 18.19 Uhr

Eine Pflanze, die Völker verbindet

Niemals vergesse ich den entsetzten Blick, den mir vor Jahren ein Gast bei einer Führung durch meinen Garten zuwarf. Ich hielt gerade einen Vortrag über meine alten Gemüse und beschieb eine Kohlsorte mit ziemlich krausem, grünen Blatt. Das Gesicht, in das ich blickte, war braun gebrannt, etwas südländisch. Die junge, hübsche Frau hörte mir aufmerksam , aber ungläubig zu.

Ich erzählte gerade, dass der Grünkohl wahrscheinlich ein Abkömmling des "Sibirischen Wildkohls" sei und sein typisches Aroma erst nach ein paar Frostnächten entwickeln würde, als sich der jungen Frau langsam die Nackenhaare aufstellten. Sie schaute so, als hätte ich gesagt: den essen wir erst, wenn er erfroren und vergammelt ist.

"Wo ist das Problem?" fragte ich die Dame. Ihre Antwort: "Meine Eltern bauen den gleichen Kohl bei uns zu Hause in Portugal an. Wir ernten ihn bereits im Sommer. Woher soll er bei uns Frost bekommen?" Sie lachte. "Meine Mutter kocht daraus eine herrliche Cremesuppe "Caldo verde" ein portugisisches Nationalgericht, mit Kartoffeln, Knoblauch, Koriander, Olivenöl und genau diesem Kohl. Dann braten wir ein paar Scheiben scharfe, geräucherte Wurst "Chourica". Die kommen oben auf die Suppe.
"Das schmeckt sicher ganz hervorragend", erwiderte ich. " Das Rezept merke ich mir und probiere es demnächst aus."

Bei dem Dialog blieb es nicht. Ich schenkte ihr einige Kohlblätter und dazu gleich etwas Koriandergrün. Darauf hin lud sie mich und ihre Freundinnen zu dieser portugiesischen Köstlichkeit zu sich ein. Wir sind Freundinnen geworden, ich, das deutsche Nordlicht, unweit der Nordsee geboren, und sie, ebenfalls aus einer Küstenregion, von Portugal.

Genau das haben nämlich alle Kohlsorten gemeinsam. Ihre wilden Stammformen dienten an Europas Küsten, rund um Mittelmeer und Atlantik, sogar an Chinas Küsten, bereits seit der Steinzeit unseren Vorfahren als Nahrung.

Durch Auslese und Kultur entwickelte der Mensch eine unglaubliche Vielfalt an Sorten.
Zwei außergewöhnliche Sorten habe ich zu meinen persönlichen Favoriten erkoren.

Bei mir steht der "Sibirische Wildkohl" (Brassica napus var. pabularia)an erster Stelle. Seine Blätter erscheinen in allen erdenklichen Farben zwischen Gelbgrün, Blaugrün bis hin zu einem tiefdunklen Lila. Mal sind die Blätter so kraus wie beim Grünkohl mal groß und glatt wie beim Rotkohl.

Mein zweiter Spitzenreiter in Sachen Kohl ist der "Ewige Kohl", auch "Irischer Blätterkohl" genannt. Seine dauerhaft zarten Blätter treiben seit Jahren aus ein und derselben Pflanze, und sie wird nicht müde. Die teilweise etwas kleinen Blätter verwende ich sogar als Salat. Sie sind besonders mild und aromatisch. Kleine Krautwickel entpuppen sich als wahre Delikatesse.

Fragt man mich heute, wie man den Kohl isst und wann, ob er Frost braucht oder nicht, dann sag ich meist, dass es doch völlig egal ist. Für jede Kohlsorte gilt jedes beliebige Kohl-Rezept dieser Erde. Fragt die Türken oder die Portugiesen, die Schweden, Russen oder Chinesen. Jedes Rezept schmeckt auf seine Art unübertroffen gut.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen genussreichen Winter und meine lieben Freundinnen aus Greding, zu deren Kreis ich nun schon seit vier Jahren gehöre, sollte ich wohl mal wieder einladen, natürlich zu einem Kohlgericht.

Eure Barbara, die Waldfrau
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BarbaraKrasemann

BarbaraKrasemann

Alter: 63 Jahre,
aus Thalmässing OT Dixenhausen
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Kommentare

16.11.2009 11:46 Paradiesgarten
..und so gesund ! Toller Beitrag, kann auch zur Völkerverständigung dienen, wie man sieht.
16.11.2009 18:25 kruemel
Ein sehr schöne Beitrag!
16.11.2009 22:07 Maryann
Dein Beitrag gefällt mir sehr, wo kann man den Samen für den "Ewigen Kohl" bekommen? So eine Pflanze find ich klasse, wenn man sie nicht jede Jahr neu pflanzen muss.
17.11.2009 13:46 BarbaraKrasemann
Maryann schrieb:
Dein Beitrag gefällt mir sehr, wo kann man den Samen für den "Ewigen Kohl" bekommen? So eine Pflanze find ich klasse, wenn man sie nicht jede Jahr neu pflanzen muss.

Der "Ewige Kohl blüht leider nicht und kann darum auch keine Samen bilden. Ab und zu gebe ich hier bei meinen Führungen auch einen Steckling ab.
Ich habe gelesen , dass Daniel Rühlemann eine grün-weiße Variante verkauft.

LG Barbara

17.11.2009 15:02 Maryann
Danke für die Info liebe Grüße
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