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Knospenernte
1227 mal angesehen
15.01.2010, 10.08 Uhr

Knospenernte

Endlich aus dem Winterschlaf erwacht, treibt es mich wieder raus in meinen Garten. Die Hecken müssen zum Teil auf den Stock gesetzt werden und es wird Zeit, meine Balsam-Pappel zu schnaiteln.

Schnaiteln? Ich stutze die Krone einer Pappel.
Eigentlich klingt das bestimmt für die meisten Leser reichlich komisch, oder?
Was mache ich da? Vor allen Dingen: wer pflanzt sich denn um Himmels Willen eine Pappel in den Garten?

Bei der Pappel wäre ich bei einer normalen Gartengröße sogar vorsichtig, denn die Pappel wird riesig groß, treibt ständig Wurzelausläufer und seine Samen fliegen Kilometer weit. Eine Pappel ist aber dennoch kein "Unkraut".

Sogar Napoleon hat Alleen mit Pappeln pflanzen lassen, und das nicht nur um Schatten für den Aufmarsch seiner Soldaten zu haben.

Die Pappel war für Mensch und Tier ein sehr wichtiger Baum. Heute denkt man leider immer nur an den Nutzen des Holzes, wenn man von Bäumen spricht. Den eigentlichen Sinn haben wir "modernen" Menschen leider fast wieder vergessen.

Da fange ich mal bei den Bienen an Sie bauen Waben, die sie mit "Bienenkitt" abdichten und der besteht wiederum aus dem Harz der Pappel-Knospen.
Gerade jetzt sind diese Knospen voll davon. Wenn es etwas wärmer wird, tropft es sogar regelrecht von den Baumkronen. Dieses Harz verwendeten vor langer Zeit die armen Jesuiten-Priester getrocknet als Weihrauch-Ersatz.

Es duftet stark balsamisch nach Wald und natürlich nach Honig. Es enthält sehr heilkräftige Inhaltsstoffe, die zum Beispiel die Bienenstöcke vor Bakterien schützen. Wir kennen diesen Kitt als "Propolis".
Das Knospenharz wirkt desinfizierend, Blut stillend, Wasser treibend, Wund heilend und regt die Nierentätigkeit an. Es war und ist natürlich auch heute noch eine Medizin.

Hätte man im Mittelalter nicht jede "Kräuterhexe" verbrannt und Alles, was vom Fortschritt überrollt wurde, als altmodisch und schlecht hingestellt, gehörte es vielleicht heute noch zum Allgemeinwissen.

Eine Kräuterhexe bin ich zwar nicht, aber wenn ich eine Brandblase habe oder eine ordentliche Erkältung, dann kommen meine selbstgemachten Salben und Tees schon mal zum Einsatz.

Und genau dafür sammel ich die Knospen der Balsam-Pappel, die besonders viel Wirkstoffe enthält. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür.

Ich stutze die ganze Krone. Tut man das regelmäßig, dann wird man auch einigermaßen Herr über so einen starkwüchsigen Baum. Und dieses Schneiden nannte man früher "Schnaiteln". Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Österreichischen.

Schon beim jungen Baum kann man nach diesem Schnaiteln erkennen, dass Blätter und Knospen die doppelte Größe erreichen und damit ein Vielfaches des Harzes produzieren.

Hmmm, bevor ich jetzt noch einen ganzen Roman erzähle, mache ich lieber Schluss. Vielleicht schaut jetzt mal der eine oder andere genauer hin und zupft so eine klebrige Knospe ab, um daran zu riechen.
Dieser Duft passt wunderbar zu einem Waldpotpourri...

ein genussreiches Gartenjahr wünscht Euch

Barbara, die Waldfrau
offline

Geschrieben von

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BarbaraKrasemann

BarbaraKrasemann

Alter: 63 Jahre,
aus Thalmässing OT Dixenhausen
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Schlagwörter

balsampappel, bienenkitt, pappelknospen, propolis

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Kommentare

15.01.2010 11:50 grey
Du stellt die Pappel so gut vor; vielen Dank!

Wir hatten eine große Pappel. Rechtweit von uns, aber zwischen einem Feld (oft mit Raps), einem kleinem Wald, - und 100m weit weg vom Rasen eines alten Hausbesitzters.
Jahre lang hat er gemeckert über die wenigen Blätter im Herbst; er wollte auf jeden Fall die Blätter nicht mehr vom Rasen "kratzen". Wir sollten die Pappel vernichten.
Das haben wir nicht gemacht..
Schließlich hat der alte Mann sich dann einen Rechtsanwalt genommen. Der hat uns den Rat gegeben, tatsächlich die Pappel wegzumachen.
Wir haben dann die Baumschule (nebenan!) gefragt, was sie davon hielte.
Sie kannten die Pappel und fanden es sehr wichtig, sie stehen zu lassen. Sie war die Einzige im Dorf.
Leider stellte die Untersuchung fest, dass sie sehr alt war. Warscheinlich würde sie nur noch zwei Jahre stehen könnte.
Wir haben sie dann schlagen lassen. Und das mit großem Kummer!
Liebe Grüße (und danke, dass ich hier einer Fachfrau meine große Wut mal äusserrn konnte ...
grey
15.01.2010 12:47 BarbaraKrasemann
grey[/quote]
danke, Grey, für diesen Kommentar.
Leider ist es sehr schwierig, einigen Menschen die Augen zu öffnen. Sie sehen Bäume tatsächlich nur als Plage an, weil sie im Herbst ihre Blätter fallen lassen.
Dabei hätten wir auf dieser Erde nicht einmal die Luft zum Atmen, ohne sie.

LG Waldfrau
15.01.2010 14:57 gundel
hallo waldfrau,
geht da nur die balsampappel oder auch adere ?wie verarbeitest du sie weiter?bin ganz neugierig.
übrigens wollt ich dir schon die ganze zeit scheiben,wie wunderbar dein buch geworden ist.hatte es endlich in der hand und viel zeit es mir anzusehen.wirklich toll !
liebe grüße gundel
15.01.2010 15:00 gundel
hallo waldfrau ,übrigens bin ich wieder am wochenende mit der kräuterfrau aus der dübener heide auf der grünen woche,diesmal in der länderhalle von sachsen-anhalt.
ld gundel
15.01.2010 15:58 BarbaraKrasemann
Liebe Gundel,
danke für die Blumen. Schön, wenn Dir mein Buch gefallen hat. Das Nächste ist übrigens schon in Arbeit.
Zur Pappel: Man kann die Knospen der Schwarz- Zitter- Silber- Grau- Pyramiden- Balsam- und Schwarzpappel verwenden. Die beiden letzten sind die heilkräftigsten.
Du wirst gleich beim Pflücken der Knospen die Intensität riechen! Zieh auch besser Gummihandschuhe an. Das Harz färbt schnell die Finger braun und klebt stark.

Einen Teil der Knospen trockne ich einfach, das heißt, die lasse ich liegen. Schimmeln werden sie ja nicht!
Einen Teil lege ich in Distelöl ein um später eine Salbe daraus zu machen.
Eine Tinktur mache ich mit 45%igem Obstler, drei Wochen lagern und dann filtern.

so das wars in Kürze

LG Waldfrau
p.s. viel Spaß auf der "Grünen Woche",
machst Du wieder Bilder vom Stand?
Hat die Kräuterfrau neue Rezepte?
15.01.2010 16:50 gundel

p.s. viel Spaß auf der "Grünen Woche",
machst Du wieder Bilder vom Stand?
Hat die Kräuterfrau neue Rezepte?
[/quote]
bilder mach ich auf jeden fall.die blumenhalle ist diesmal goethe und seinen reisen gewidmet.
vom stand auch,sie ist diesmal mit auf der bühne,mit rezepten weiß ich noch nicht.
lg gundel
15.01.2010 18:30 BarbaraKrasemann
gundel schrieb:


p.s. viel Spaß auf der "Grünen Woche",

machst Du wieder Bilder vom Stand?

Hat die Kräuterfrau neue Rezepte?



bilder mach ich auf jeden fall.die blumenhalle ist diesmal goethe und seinen reisen gewidmet.

vom stand auch,sie ist diesmal mit auf der bühne,mit rezepten weiß ich noch nicht.

lg gundel

[/quote]
Goethe find ich super. Ich bin ein großer Goethe-Fan. Er hat so viel über Pflanzen gewusst.
ich freu mich, wieder von Dir zu lesen


lg
barbara
15.01.2012 07:10 marinascholaris
marinascholaris

wir haben in der kräuterschule gelernt dass diese knospen und zb kirsch- und lindenknospen im winter gesammelt , und wochenlang bedeckt von hochprozentigem alkohol tatsächlich dem käuflich erwerbbarem propolis entsprechen.
es hat nur den vorteil daß kein bieneneiweiß
enthalten ist und somit gut von allergikern verwendbar wird.

lg marinascholaris
28.03.2012 13:09 Schnaitlerin
Hallo Barbara,
(extra Deinetwegen habe ich mich nun angemeldet!),
ich danke Dir von Herzen für Deinen Beitrag und die Wissensvermittlung "schnaiteln" und auch rund um die Balsampappel. Finde ich auch gut, dass Du Bienen hast; ich denke, ich bin auch bald soweit; im Moment bin ich in Sachen Samengärtnerei unterwegs.
Alles Liebe, Teena (www.schnaiteln.at)
01.04.2012 08:39 BarbaraKrasemann
Schnaitlerin schrieb:
Hallo Barbara,
(extra Deinetwegen habe ich mich nun angemeldet!),
ich danke Dir von Herzen für Deinen Beitrag und die Wissensvermittlung "schnaiteln" und auch rund um die Balsampappel. Finde ich auch gut, dass Du Bienen hast; ich denke, ich bin auch bald soweit; im Moment bin ich in Sachen Samengärtnerei unterwegs.
Alles Liebe, Teena (www.schnaiteln.at)

Liebe Schnaitlerin,
Du kommst aus Österreich? Ich werde Deine HP durchstöbern, vielleicht am Abend, wenn ich etwas mehr Zeit habe.
Aber einen Luftsprung habe ich sofort gemacht, als ich zum ersten mal überhaupt, las, dass es heute noch einen Menschen gibt, der nicht nur den Kopf schüttelt, vor Entsetzen, wenn ich übers Schnaiteln erzähle.

Ich durfte sogar schon einmal in meiner Querbeet-Sendung im Bayerischen Fernsehen darüber berichten. Ich hab es am Beispiel der Linde gemacht.

Auch das fand noch wenig Nachahmer, aber ich arbeite daran.

Noch einmal herzlichen Dank und hoffentlich weiterhin gedanklichen Austausch

wünscht Dir Barbara, die Waldfrau
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