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Aus der Garten-Redaktion

(43 Einträge)

"Der Selbstversorger Garten" von Elke von Radziewsky
191 mal angesehen
06.09.2011, 10.12 Uhr

"Der Selbstversorger Garten" - Die Vorgeschichte des Buches

Wir haben das Buch zu zweit gemacht, mein Mann Uwe und ich. Uwe stammt vom Land, einem Dorf im Sachsenwald bei Hamburg. Der Vater war Handwerker, die Mutter arbeitete bei den Bauern im Dorf. Die Eltern hatten einen Garten, etwa 3.000 Quadratmeter groß. Zwei Schweine, Gänse und Hühner. Bis auf gut 200 Quadratmeter Blumengarten und ein Stück mit Apfelbäumen bestandener Wiese für die Gänse war das Land bestellt.

Uwe ist mit dem Nutzgarten groß geworden. Die Mutter verdiente zwar nicht viel bei den Bauern, dafür bekam die Familie an Mehl und Kartoffeln, was sie brauchte. Eine Partie Stallmist im Herbst gehört dazu, denn Geld für Kunstdünger war nicht da.

Meine Familie lebte erst in verschiedenen Stadtwohnungen, später zogen wir aufs Land, in ein Haus mit Garten. Meine Eltern haben kein Gemüse gezogen und nie Tiere gehalten. Der Garten war immer in Bewegung. Beete kamen hinzu oder verschwanden, Bäume wurden gefällt, wenn sie zu hoch aufgewachsen waren, Hecken wurden gesetzt und umgesetzt. Ich hatte kein Interesse an dem Garten. Das änderte sich, als ich Uwe kennenlernte.

Wir bauten uns ein Haus in einer Ecke des Sachsenwaldes. Die Hälfte des Gartens wurde mit Buchskanten gesäumt, und zum Küchengarten gemacht. Wir pflanzten Kartoffeln, Erdbeeren, versuchten es mit Erbsen und Möhren. Die Bäume um uns wuchsen, wo einmal Sonne hin schien, kam bald nur noch im Frühling Licht auf den Boden.

Die Küchengärtnerei wurde weniger und ich begann als Gartenredakteurin der Zeitschrift A&W Architektur und Wohnen zu reisen. Von jeder Reise brachte ich Ideen mit. Wir gruben den Garten um, zweimal wurde er komplett geändert, bis er seine gültige Form hatte. Die Hälfte, wo früher der Küchengarten war, ist heute ein Schattengarten unter zwei Buchen und Eichen.

Vor acht Jahren kauften wir uns in Sachsen ein 300 Jahre altes Pfarrhaus mit Obstwiesen. Das Restaurieren wurde unser großes Hobby. Für Garten ist da eigentlich keine Zeit. Aber wir konnten es nicht sein lassen. Es dauerte keine drei Jahre, bis wir anfingen, einen Garten zu planen, einen für Obst und Gemüse, so wie wir ihn in Sachsen auf dem Land noch häufig sehen.

Ist es ein Selbstversorgergarten? Nicht, wenn man meint, ein Selbstversorger würde heute wie in der Zeit nach dem Krieg möglichst viel von dem selbst produzieren, was er zur Ernährung braucht. Der moderne Selbstversorger hat Spaß an seinem Garten, der ihn nützt, statt ihn – kaum genutzt – sinnlos Arbeit zu machen.

Und er sucht sich aus, was er anbaut: keine Erbsen, viel zu mühsam. Keine Möhren, denn ohne Schutznetz geht es kaum noch. Aber Kartoffeln in drei Sorten, Rhabarber und Stangebohnen, denn die sind robust und die ausgesuchten Sorten anders nicht zu kriegen.

Nebenbei hat der moderne Selbstversorgergarten eine politische Dimension. Und das nicht zu knapp: In Niederösterreich gibt es seit einigen Jahren eine Bewegung mit dem Motto „Natur in den Garten“. Geht es noch absurder? Was soll ein Garten anderes sein als Natur? Gemeint ist mit dem krummen Satz ein Gärtnern ohne Pestizide, ohne Kunstdünger, ohne genoptimierte Saat.

Der springende Punkt ist: Kein Naturschutzgebiet kann größer sein als alle zusammengefassten Hausgärten. Es gibt keine effektivere Möglichkeit, die Umwelt zu schützen, als Gemüse selbst zu ziehen. Denn jeder vom eigenen Beet geerntete Rosenkohl oder Brokkoli verringert die Mengen, die LKWs von Riesenplantagen quer durch Europa in die Supermärkte bringen.

Dieses Buch erzählt aus unseren gärtnerischen Erfolgen und von Fehlschlägen, aus denen man am meisten lernt. Und es berichtet von Menschen, die wir getroffen haben, Spezialisten auf ihrem Feld, dem Kartoffelexperten, dem Apfelsammler oder dem Imker. Denn wer gärtnert, tauscht sich gern aus.

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Vorwort aus dem Buch "Der Selbstversorger Garten" von Elke von Radziewsky

BLV: [garten.landecht.de]
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