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Mein Küchen-Karteikasten

Elisabeth Melzers Blog (91 Einträge)

Giersch-Schafskäse-Quiche Giersch-Pesto Giersch-Baguette
969 mal angesehen
16.07.2013, 13.18 Uhr

Giersch – reiche Ernte ohne Aussaat

Ich kniee vor einem Blumenbeet im Garten meines Vaters und grase aus. So sagen wir in Franken, wenn wir Unkraut jäten. Mein alter Herr steht hinter mir, die Hände in die Hüften gestemmt und führt das Kommando: „Tu amol a weng die Stränzela raus!“ „Was denn sonst“, antworte ich belustigt, denn das Beet ist voller Giersch – den ‚Stränzela’ eben. Ein spitzbübisches Lächeln huscht über sein Gesicht: „Wenn man bedenkt, dass sa jetzt scho vo München raufkomma, um sich a poa Pfenning dazuzuverdiena“, sagt er bedeutungsvoll, „da muss die Lage ja wirklich schlecht sei.“ Das ist mein Vater, wie er leibt und lebt. „Wenn ich Dich nicht hätte“, sage ich lachend, „dann ginge es mir wirklich schlecht.“

Immer wenn ich in meine alte Heimat komme, stehe ich als Wanderarbeiterin bei meinem Vater in Lohn und Brot. „Was hältst Du davon, wenn ich aus den Stränzela heut’ Mittag einen Spinat koche?“, frage ich ihn. „Mit Bratkartoffeln und Ei dazu?“ Jetzt ist er sprachlos, und das kommt bei ihm, dem 86-Jährigen, nur selten vor. Brennnesseln hätte seine Mutter gesammelt und Spinat daraus gekocht, daran erinnert er sich. Aber Stränzela? Die bekamen die beiden Geisen, welche er als Bub hatte hüten müssen. „Na prima“, sage ich, „dann kann Dir Deine Tochter noch etwas beibringen.“ Wieder blitzen seine Augen, und die Antwort folgt: „Aber sterb’n will ich fei noch nia.“ „Ich mach’ einfach deine Vorkosterin“, beruhige ich ihn. „Du bist mer a Schöna!“, sagt er verschmitzt und droht mir mit dem Zeigefinger.

Es gibt ja Menschen, die sich über den Giersch so ärgern, dass sie ihn nicht essen mögen. Schade eigentlich, denn wo sonst im Garten gibt es das ganze Jahr über eine derart reiche Ernte ohne die Mühen der Aussaat und Pflege. Mein Vater gehört jedenfalls nicht zu den Giersch-Verächtern, das hat er mittlerweile bewiesen. Er ist durchaus heikel, wenn es um meine kulinarischen Experimente geht, aber oft genug treffe ich seine Neugier und Lust, Neues zu erfahren, sodass er anderen später stolz davon erzählen kann.

Wenn auch Sie neugierig geworden sind, dann versuchen Sie es doch, sich mit dem Giersch kulinarisch anzufreunden. Eine Handvoll davon in die Suppe gerührt oder unter den Salat und in den Spinat gemischt, und ein Anfang ist gemacht. Ausgraben hilft bei dieser Pflanze ohnehin wenig, weil aus den fein verzweigten Wurzeln beim geringsten Lichteinfall jede Menge neuer Pflänzchen austreiben. Wenn Sie aber den Giersch künftig nicht als Unkraut, sondern als Wildgemüse betrachten, das man regelmäßig erntet, geht ihm mit etwas Glück im Laufe der Gartensaison von selbst die Kraft aus.

Giersch-Pesto

Zutaten für 4–6 Portionen:
70–80 g gehackter Giersch, 70–80 ml Olivenöl, 50 g Pinienkerne (angeröstet),
2 kleine Knoblauchzehen, 50 g frisch geriebener Parmesan, Salz


• Giersch gründlich waschen, Blätter von den Stielen zupfen, abwiegen und fein hacken, Knoblauchzehen durchpressen. Pinienkerne ohne Fett in der Pfanne kurz anrösten und durch die Nussmühle mahlen, Parmesan fein reiben.
• Giersch, Knoblauch und Öl in einen hohen Behälter geben und mit dem Mixstab pürieren (nur kurz, sonst wird’s bitter), Pinienkerne und Parmesan unterrühren, mit Salz abschmecken.
• In zwei kleine Gläser abfüllen und kühl lagern (hält 2 Wochen) oder sofort zu frisch gekochter Pasta servieren.
• Nach diesem Grund-Rezept lässt sich auch Pesto mit Spitzwegerich, Rucola, Basilikum, Petersilie oder gemischten Küchenkräutern und Wildkräutern herstellen.
• Wenn Sie Käse und Nüsse weglassen, können Sie die in Öl pürierten Kräuter in kleinen Schraubgläsern fast unbegrenzt aufbewahren (Oberfläche mit Öl bedecken!). Rühren Sie geriebene Nüsse, Mandeln oder Ölsaaten und Parmesan erst unter, wenn Pasta und Pesto auf dem Speiseplan stehen.

Giersch-Schafskäse-Quiche

Zutaten für eine Springform (24–26 cm):
Mürbteig: 200 g Dinkelmehl (Vollkorn oder Weißmehl), 80 g Butter, 1 Ei, 1 Prise Salz
Belag: 200 g Feta, 250 g Sauerrahm, 2 Eier, 1 Knoblauchzehe, 1 Bund Lauchzwiebeln, 6–8 EL gehackten Giersch, Salz, Pfeffer, 2 EL Sonnenblumenkerne (oder Salatkernmix), B
ackpapier und Trockenerbsen zum Vorbacken


• Mehl, gewürfelte Butter, Ei und etwas Salz zu einem glatten Teig verkneten. Eine Kugel daraus formen, diese in Folie wickeln und 30–60 Minuten in den Kühlschrank geben.
• Teigkugel auf etwas Mehl (zwischen Backpapier) rund ausrollen und in eine gefettete und bemehlte Form geben, aus Teigresten 2 cm Rand formen.
• Backpapier entsprechend der Kuchenform ausschneiden, auf den Teig legen, Trockenerbsen einfüllen und im vorgeheizten Backofen bei 200 °C 15 Minuten backen.
• Feta mit der Gabel zerdrücken, mit Sauerrahm und Eiern verquirlen. Durchgepresste Knoblauchzehe, in feine Ringe geschnittene Lauchzwiebeln und die gewaschenen und gehackten Gierschblätter unterrühren. Masse mit Pfeffer und Salz abschmecken.
• Trockenerbsen und Backpapier vom vorgebackenen Teigboden entfernen, Schafskäse-Giersch-Zwiebel-Masse einfüllen, glattstreichen und mit 2 EL Sonnenblumenkernen oder gemischten Kernen (Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, Pinienkerne) bestreuen und weitere 20 Minuten fertigbacken.
• Die Quiche schmeckt auch mit Petersilie und Rucola oder mit anderen Wildkräutern wie Bärlauch, Brennnesseln, Löwenzahn, Vogelmiere, Knoblauchsrauke oder einer Mischung davon.

Giersch-Dinkel-Baguette

1 große Handvoll junger Giersch, 500 g Dinkelvollkornmehl (oder Weißmehl), ½ Würfel Hefe, 1 Prise Zucker, etwa 300 ml lauwarmes Wasser, 1 TL Salz, 50–70 g Haselnüsse

• Gierschblätter waschen, trocken schleudern und grob hacken.
• Mehl in eine Schüssel geben, eine Mulde formen, Hefe zerbröseln, mit etwas lauwarmem Wasser anrühren und in die Mulde geben. 1 Prise Zucker und etwas Mehl darüberstreuen, zugedeckt an einem warmen Platz 15 Minuten gehen lassen.
• Haselnüsse und Giersch zum Vorteig geben, mit den Knethaken verkneten. Wasser nach und nach zugeben. Teig auf bemehlter Arbeitsfläche 5 Minuten kräftig durchkneten, eine Kugel formen und mit Mehl bestäuben. Teig abgedeckt an einem warmen Ort weitere 30 Minuten gehen lassen.
• Teig auf der Arbeitsfläche noch mal kräftig durchkneten, in 2 Portionen teilen, zu einer Kugel formen, dann zu einer Stange. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit einem scharfen Messer mehrmals quer einritzen und mit einem Tuch abgedeckt noch mal 10 Minuten gehen lassen.
• Im vorgeheizten Backoffen 20–25 Minuten bei 220 °C backen – eine feuerfeste Schale mit kochendem Wasser dazustellen.
• Baguettes nach dem Backen einige Minuten mit einem sauberen, feuchten Geschirrtuch abdecken.

Giersch-Limonade

1 l Apfelsaft, 10–20 Stiele Giersch, 1–2 Bio-Zitronen, nach Geschmack einige Stiele Zitronenmelisse und Pfefferminze, Mädesüß oder Holunder, Mineralwasser zum Verdünnen

• Kräuter waschen und trockenschleudern oder -tupfen.
• Einen Krug mit Apfelsaft füllen, Giersch und Minze/Zitronenmelisse zusammenbinden und kopfüber in den Apfelsaft tauchen, in Scheiben geschnittene Zitrone zufügen.
• Krug in den Kühlschrank oder in den kalten Keller stellen und nach ein, zwei Stunden das Aroma prüfen. Beim jungen Giersch – insbesondere im Frühjahr – ist es besonders intensiv, weshalb man das Sträußlein entfernt, sobald der gewünschte Geschmack erreicht ist.
• Beim Servieren vermischt man die Giersch-Limonade mit kaltem Wasser oder Mineralwasser, etwa wie Apfelsaft-Schorle.



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ElisabethMelzer

ElisabethMelzer

Alter: 62 Jahre,
aus München

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Kommentare

16.07.2013 15:10 gundel
ja genau so mach ich es auch.wenn mich jemand fragt,wie bekomm ich giersch aus dem garten sag ich aufessen
pesto und die limo sind im bauerngarten bei veranstaltungen mitlerweile "pflicht ",alle sind überrascht wie gut es schmeckt.
danke für deinen beitrag
16.07.2013 15:26 Katalin
Das klingt alles sooo toll!!! Und Frau Melzer, falls Ihnen jemals zu viel Giersch Pesto übrig bleibt... *hüstel*
20.07.2013 10:45 Britta
Wirklich gute Ideen. Die Limo und das Baguette werde ich ausprobieren
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